Mikrodeletionssyndrom 22q11.2

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Mikrodeletionssyndrom 22q11.2

 

 

Erkrankung Gen OMIM
DiGeorge-Syndrom (DGS) TBX1 188400
Velo-Cardio-Faciales Syndrom (VCFS) TBX1 192430
Conotruncales Gesichtsanomalie-Syndrom (CTHM) TBX1 217095

 

Das  Mikrodeletionssyndrom 22q11.2 ist das häufigste unter den Mikrodeletionssyndromen. Die klinische Symptomatik des DiGeorge-Syndroms (DGS, OMIM 188400), des Velo-Cardio-Facialen-Syndroms (VCFS, OMIM 192430) und des Conotruncalen Gesichts-anomalie-Syndroms (CTHM, OMIM 217095) zeigt fließende Übergänge und die genannten Syndrome wurden deshalb unter dem Mikrodeletionssyndrom 22q11.2. Das Mikrodeletionssyndrom 22q11.2 hat unter Neugeborenen eine Häufigkeit von 1:4.000-1:6.000In ca. 6 Prozent der Fälle wird ein familiäres Vorkommen beobachtet.

 

Klinik

 

DiGeorge-Syndrom mit bzw. ohne Immundefekt

 

Etwa 90 Prozent sind durch diese Mikrodeletion, aber auch durch andere chromosomale Aberrationen, bedingt. Kann einer Alkoholembryofetopathie sehr ähnlich sein.

Bei etwa 10 Prozent der Patienten geht das Syndrom mit einer Thymushypoplasie bzw. einer Thymusaplasie einher und bedingt eine hohe Letalität im Säuglingsalter. Bei etwa 60 Prozent besteht eine Hypoplasie der Nebenschilddrüse mit Hypoparathyreoidismus mit und ohne hypokalzämischen Krämpfen.

Herzfehler sind ein Leitsymptom des Syndroms: Charakteristisch sind Aortenbogenanomalien, aber auch Truncus arteriosus, Fallot´sche Tetralogie oder Ventrikelseptumdefekt. Im Säuglingsalter sind Hypertelorismus, Epikanthus, kurze Nase, kurzes Philtrum, Ohrmuscheldysplasie, Mikroretrognathie besonders typisch.

 

Shprintzen-Syndrom, velo-cardio-faziales Syndrom

 

Unter diesem Begriff werden Teilaspekte des Mikrodeletions-Syndroms zusammengefasst: Gaumenspalte, Herzfehler wie beim Di-George-Syndrom, typische faziale Dysmorphie und Lernbehinderung. Von Erfahrenen kann eine „Blickdiagnose“ gestellt werden: Breite Nasenwurzel, langer Nasenrücken, breite Nasenspitze, grazialer Körperbau mit Minderwuchs. Die velopharyngeale Insuffizienz führt zu einer hypernasalen oder auch heiseren Stimme. Charakteristisch sind Verhaltensauffälligkeiten wie Zurückhaltung, Aufmerksamkeitsdefizite, Hyperaktivitätsstörungen und im Erwachsenenalter Psychosen aus dem Formenkreis der Schizophrenie.

 

Konotrunkale Herzanomalie („schiefes“ Schreigesichtssyndrom)

 

Wird gelegentlich als eigenständiges Syndrom angesehen, kann aber auch als Teil-manifestation von Di-George bzw. Shprintzen-Syndrom gesehen werden.

 

Genetik

 

Bei Patienten mit einem Mikrodeletionssyndrom 22q11.2 findet man auf einem Chromosom 22 in der Region 22q11.2 (DGSI-Region) in etwa 90 Prozent der Fälle eine ca. 3 Mb große interstitielle Deletion, in etwa 8 Prozent kleinere interstitielle Deletionen von 1.5-2 Mb und bei etwa 2 Prozent der Patienten  kleinere atypische Deletionen.  Bei familiärem Vorkommen werden in der Regel 1.5-2 Mb Deletionen beobachtet, wobei die Deletion sowohl maternaler als auch paternaler Herkunft sein kann.  

Bei einigen Patienten mit Mikrodeletionssyndrom 22q11.2-Symptomatik findet man jedoch Deletionen in der DGSII-Region auf dem kurzen Arm eines Chromosoms 10 in p13-p14 (Heterogenie). In beiden Regionen sind mikroskopisch sichtbare als auch submikroskopische Deletionen beschrieben.

 

Diagnostik

 

Aus genomischer DNA wird die Region auf Chromosom 22q11.2 mittels MLPA (Multiplex Ligation-dependent Probe Amplification) untersucht. Mit dieser Methode der genomischen Quantifizierung ist es möglich, sowohl Deletionen als auch Duplikationen nachzuweisen. Dabei hybridisieren mehrere Sonden in der DiGeorge typischen Region, um Veränderungen in der Kopienzahl der Zielsequenzen zu detektieren. Zusätzlich stehen uns weitere Sonden für die Regionen 4q34.2, 8p23 und 10p13-10p14 zur Verfügung, da in der Literatur für Aberrationen in diesen Regionen DiGeorge ähnliche Phänotypen beschrieben wurden. Durch einen Vergleich des Patienten mit einer Kontrollperson können Abweichungen erkannt werden. Das Vorliegen eines Zellmosaiks sowie balancierter Aberrationen kann durch diese Untersuchung nicht ausgeschlossen werden.

 

Bei pränatalen Proben wird diese Untersuchung weiterhin mit Hilfe der Fluoreszenz-in-situ- Hybridisierung auf Chromosomen von Metaphaseplatten kultivierter Zellen durchgeführt.

 

Der Bearbeitungszeitraum beim Indexpatienten liegt bei etwa 2 Wochen.

 

Untersuchungsmaterial

 

2 ml EDTA-Blut des Indexpatienten sowie weiterer Familienmitglieder. Versand der Proben ungekühlt im Transportröhrchen.

 

Kontakt

 

Dipl. Biol. Susann Riedel

 

Tel.: 0351 / 492 78 950        Fax: 0351 / 492 78 955        e-mail: info@praxisverbund-humangenetik.de

 

Letzte Aktualisierung: August 2013

 

Die Untersuchung unterliegt nicht der Budgetierung.

 

Mitteldeutscher Praxisverbund Humangenetik

Molekulargenetisches Labor

Friedrichstraße 38/40    01067 Dresden